Die Taube auf dem Dach
Auf einer Baustelle im Süden der DDR lernt die junge Bauleiterin Linda Hinrichs zwei Männer kennen, deren Leben kaum unterschiedlicher sein könnten. Doch in beruflicher wie auch emotionaler Unabhängigkeit sucht Linda unbeirrt den eigenen Weg.
Auf einer Baustelle im Süden der DDR, wo Tausende von Wohnungen in moderner Plattenbauweise entstehen, lernt die aus Mecklenburg stammende junge und unverheiratete Bauleiterin Linda Hinrichs zwei Männer näher kennen: zum einen den Studenten Daniel, dessen Spontanität ihr gefällt; während eines Tanzabends bittet er zum Beispiel um Spenden für Vietnam und schlägt auch schon mal zu, wenn ihm unterstellt wird, er stecke sich das Geld in die eigene Tasche. Zum anderen trifft Linda auf den Baubrigadier Hans Böwe, einen Zugvogel, der schon an vielen Stellen der DDR Neues mit aus dem Boden gestampft, aber nie ein richtiges Zuhause gefunden hat. Böwe macht ihr einen Heiratsantrag - und betrinkt sich, als Linda ihm nicht sofort zustimmt. Wird sie selbst einmal so wenig sesshaft werden wie er? Und was bedeuten eigentlich so große Worte wie Glück und Geborgenheit in einer durchaus nicht romantischen Realität?
Als Iris Gusner, eine der wenigen Spielfilmregisseurinnen in der DDR, den Rohschnitt ihres viel beachteten Debütfilms vorführte, warfen Kritiker*innen ihr vor, ein unrealistisches Bild des ostdeutschen Lebens, besonders von Arbeiter*innen, zu zeigen. Die Produktion wurde gestoppt und der Film wurde verboten. Die Materialien des Films, der original in Farbe gedreht waren, gingen verloren. Nach dem Fall der Mauer im November 1989 fand der Kameramann Roland Gräf, der den Film gedreht hatte, eine alte, farbige Schnittkopie von DIE TAUBE AUF DEM DACH. Die Kopie war beschädigt, und die Farbe konnte nicht gerettet werden, aber Gräf initiierte die Herstellung eines s/w-Doppelnegativs und einer 35-mm-Kopie. Auch diese Materialien gingen verloren. Nach fast zwanzigjähriger Suche konnte die DEFA-Stiftung 2009 das Negativ des Films ausfindig machen und nahm eine zweite Restaurierung des Films vor. Seit 2010 ist der Film endlich, jedoch nur in schwarz-weiß, verfügbar.
Bild @ DEFA-Stiftung